Gemeinwohl Ökonomie im Hotel La Perla – ein Hotel mit alternativer Wirtschaftsordnung

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Michil Costa über die Gemeinwohl Ökonomie und das Hotel La Perla

Michil Costa sitzt im Garten des Familienhotels La Perla in Corvara und beobachtet zufrieden, wie sich das neue Holzrad im angrenzenden Teich dreht. Dann nimmt er einen Schluck aus seiner Espressotasse und lächelt. »Dieser Garten«, sagt er und lässt seinen Blick zum Baumhaus schweifen, »ist das Ergebnis einer neuen Wirtschaftsordnung. Es gibt ihn, weil unsere Mitarbeiter es so wollten.«

Costa, der umtriebige Hotelier mit den Buntstiften im Einsteckloch, ist in Südtirol bekannt wie ein bunter Hund. Neben der Arbeit im Hotel macht er Politik, er ist Präsident der Maratona dles Dolomites (eines der größten Radrennen der Alpen), er polarisiert (in seinem Heimatort und darüber hinaus). Und jetzt also ist er Botschafter einer Alternative zu kapitalistischer Marktwirtschaft. Der 52-Jährige war lange auf der Suche nach einer neuen Form, das Hotel zu organisieren. Dann lernte er Christian Felber und die von ihm propagierte Gemeinwohl-Ökonomie kennen. Man kann sie wie folgt beschreiben: Die Wirtschaftsordnung, die mit einem Punktesystem gemessen wird, vernachlässigt den finanziellen Aspekt nicht. Aber neben Zahlen zählen vor allem Werte wie Solidarität, Menschenwürde, Nachhaltigkeit und innerbetriebliche Demokratie.

»Ich bin ein Sturschädel. Wenn ich etwas wirklich will, dann tue ich so lange, bis es klappt«, sagt Costa. 2011 konnte er seine Eltern und die zwei Brüder davon überzeugen, das System im Hotel anzuwenden. Freitags kein Fleisch, fast nur noch regionale Produkte, im Sommer keine Äpfel, Gänseleberpastete ade: Das sind nur einige Beispiele, was die Gemeinwohl-Ökonomie im Einzelnen auch für die Gäste heißt. »Viele sind abgesprungen«, sagt Costa. »Ich verstehe das, wir sind ja immer noch ein Luxushotel und kein Kloster.« Aber jene, die bleiben, und die neuen, die kommen, sind durchweg begeistert. Weil sie einen Beitrag zu einem besseren und gerechteren Zusammenleben leisten. Ab dieser Saison können sie durch den neuen Garten schlendern. Costa wollte ja eine neue Waschküche bauen. Aber die Mitarbeiter, die jetzt in die Entscheidungsprozesse eingebunden sind, haben zugunsten des Gemeinwohls darauf verzichtet.

Video Gemeinwohl Ökonomie / Michil Costa

Bilder Gemeinwohl Ökonomie / Michil Costa

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Die in der wachsenden Gemeinwohl Ökonomie-Bewegung aktiven UnternehmerInnen, Selbstdändigen, Privatpersonen, WissenschaftlerInnen und Organisationen haben zusammen eine vollständige alternative Wirtschaftsordnung entwickelt, die sich aus 20 Schlüsselelementen zusammensetzt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um "Positionen" oder inhaltliche "Forderungen", sondern im Inspirationen und Diskussionsanstöße, die sich mit anderen Ideen und Alternativen befruchten und in demokratischen Prozessen von unten diskutiert und entschieden werden sollen. Das könnten zunächst kommunale, später nationale oder EU-weite Wirtschaftskonvente sein, in denen alle Vorschläge und Positionen gehört und zu Gesetzesentwürfen verdichtet werden. Die Entscheidung über alle Vorschläge obliegt dem demokratischen Souverän. So könnte die erste demokratische Wirtschaftsordnung entstehen

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