Ausgesprochen Ladinisch – Die Pflege eines großen Kulturschatzes

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Ausgesprochen Ladinisch – Die Pflege eines großen Kulturschatzes

Die alten Rennski im Keller von Rut Bernardis Haus stammen aus einer Zeit, als Carvingski noch nicht einmal Zukunftsmusik waren und die Literaturwissenschaftlerin noch Mitglied der B-Auswahl der italienischen Skinationalmannschaft. Nur zwei Sachen unterschieden sie damals von den anderen Sportlerinnen ihrer Gruppe. »Ich hatte immer Bücher mit dabei«, sagt sie und fährt sich wie beiläufig durch den Pony, »und ich bin Ladinerin.«

Die Ladinische Sprache – die dritte Landessprache

Als Ladinische Sprache im Sinne von “Dolomitenladinisch” bezeichnet man eine Gruppe romanischer Dialekte, die in mehreren Alpentälern Oberitaliens gesprochen werden. Als hauptsächliche Verbreitungsgebiete gelten Gröden und das Gadertal in Südtirol, das Fassatal im Trentino sowie Buchenstein und Cortina d’Ampezzo in der Provinz Belluno. Aufgrund der einstmaligen Abgeschiedenheit des Grödner Tales hat sich neben deutsch und italienisch eine eigene Sprache erhalten, das Ladinische, einer rätoromanischen Sprache, die sich nach der Romanisierung des Gebiets aus dem Vulgärlatein und aus Resten der Regionalsprache entwickelt hat. Es ist eine wohlklingende, aber für einen Nicht-Ladiner wohl kaum verständliche Sprache, reich an einzigartigen Lauten und Lautkombinationen. Die Ladiner stellen mit ca. vier Prozent die kleinste ethnische Gruppe Südtirols dar. Sie halten nichtsdestotrotz stark an ihren Traditionen und ihrer Sprache fest, die durch mündliche Überlieferung von Generation zu Generation getragenen wird und pflegen diese auch entsprechend im Schulunterricht, regelmäßigen Publikationen, verschiedenen Fernseh- und Radiosendungen.

Ladinische Sprache

Ladinische Sprache – die Dolomiten, Heimat der Ladiner

Ladinisch – eine Dolomiten Sprache

Bernardi wuchs in St. Ulrich im Grödnertal auf. Hier und in vier benachbarten Tälern sprechen die Menschen Ladinisch. Die rätoromanische Sprache entstand durch den Kontakt vom Rätischen mit Volkslatein und ist neben Deutsch und Italienisch offizielle Amtssprache in Südtirol. Die 52-Jährige schrieb schon gerne, als sie noch das Skigymnasium besuchte. Auf Deutsch. Als sie mit 25 Jahren in Gröden einen Vortrag auf Ladinisch hielt, war es eine Initialzündung. »Es ging so leicht und selbstverständlich«, sagt sie. Sie fing sofort an auf Ladinisch zu schreiben, erst Gedichte, dann Kurzgeschichten. An der Uni Zürich arbeitete sie an einem rätoromanischen Wörterbuch mit. Anfang 30 kehrte sie in die Heimat zurück. Sie lebt seither in Klausen, am Eingang zum Grödnertal. Weit weg und nahe genug an ihrer Muttersprache.

Gerade hat sie ein Mammutprojekt abgeschlossen. Über fünf Jahre verfasste sie mit Paul Videsott an der Freien Universität Bozen eine Geschichte der ladinischen Literatur. Nicht nur in diesem Projekt steckt ihr ganzes Herzblut. Auch ein Einheitsladinisch aller Dolomitentäler würde sie begrüßen. »Dafür ist die Zeit noch nicht reif, die Menschen haben zu große Angst davor. In 20 Jahren vielleicht …« Ab und zu arbeitet sie als Übersetzerin und Journalistin: Ihr Leben aber ist die Literatur. Nur Katze Tita darf die 52-Jährige in die Schreibstube begleiten und zuhören, wenn sie ihre lautmalerischen Sonette wieder und wieder vorliest. »Irgendwann sage ich dann: Das passt. Auch wenn ich nie ganz zufrieden bin. Schließlich heißt es auf Ladinisch: ›N lëur mez fat ti mostren mé a n mez mat‹ – eine halb fertige Arbeit zeigt man nur einem Halbverrückten.«

Video – Ausgesprochen Ladinisch

Bilder Ladinisch / Ladinische Sprache

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Ladinisch wird von rund 30.000 Muttersprachlern gesprochen und gehört zu den kleinsten Sprachen Europas. Diese Sprache, die einst die verbreitetste Sprache in der Alpenregion war, wird heute in noch im Gadertal und Grödental, aber auch im Fassatal (Provinz Trentino), Buchenstein, Ampezzo (Provinz Belluno) und im Schweizer Kanton Graubünden gesprochen - mit jeweiligem Lokalkolorit.

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